,,Auf die Familie gehen ist die Grenze“: Theaterprävention an der Löns-Realschule Einbeck

Am 09. und 10. September nahmen die Jahrgänge 5, 6 und 9 an verschiedenen Theaterpräventionsprojekten, jeweils 90minütig, von Dirk Bayer sowie seiner Kollegin Selina Früchtl teil. Organisiert wurden die Theaterprojekte von der Schulsozialarbeiterin der Löns-Realschule, Meike Frauendorf. Alle Theaterstücke behandeln die Themen Fairness, Respekt und Toleranz für ein gewaltfreies Miteinander und bauen auf der aktiven Mitarbeit der Schüler*innen auf, indem diese in verschiedene Rollen schlüpfen, um Lösungsansätze für Problemlagen zu finden.

Den Anfang machte hierbei der 5. Jahrgang mit dem interaktiven Theaterstück ,,Hau ab!“. In diesem wird das Wort ,,Missbrauch“ in den Kontext gesetzt und stellt kindgerecht dar, wann und wie man für sich Grenzen setzen kann und muss.

Ein wichtiger Schritt für unsere neuen 5.Klässler*innen, die nach den Sommerferien viele neue Menschen kennenlernen und neue Schulwege selbstständig umsetzen. Im Theaterstück ,,Hau ab!“ werden Situationen nachgestellt, die den Schüler*innen helfen in schwierigen Situationen mit Fremden, aber auch mit Bekannten und Familienmitgliedern, Unterstützung zu finden. Hierbei lernten die Kinder die fünf wichtigsten Schritte, um es Täter*innen möglichst schwer und unbequem zu machen: Abstand halten, eine klare Ansage zum/zur Täter*in, sich der Situation entziehen und Hilfe holen. Anschließend wurde besprochen, dass das Erlebte mit dem Lieblingsmenschen besprochen werden kann. Wer das bei den Schüler*innen ist, kann bei jedem unterschiedlich aussehen. Persönliche Grenzen und das innere Gefühl werden gestärkt, indem die Kinder im Rollenspiel aktiv Wege fanden für unangenehme Situationen. Auch für übergriffige Familienmitglieder oder Bekannte konnte Dirk Bayer festhalten: ,,Kein Küsschen für Erpressung“- zu oft werden für ,,Geschenke“ Gegenleistungen gefordert, die dann keine wahren Geschenke sein können. ,,Nein heißt Nein“ und über den Körper selbst bestimmen zu können rundete die Veranstaltung für unsere Jüngsten ab.

 

Im 6. Jahrgang lag der Schwerpunkt mit ,,Gewalt (k)ein Thema?!“ auf der Gewaltprävention. Jede der drei 6. Klassen nahm im Klassenformat teil und klärte, ob treten, schlagen und beleidigen Gewalt sei. Hier waren sich alle Klassen einig. Unterschiedliche Meinungen gab es bei der Frage, ob es auch Gewalt sei jemanden auszulachen oder auszuschließen. Durch ,,den coolen Sven“, der einen Mitschüler zwingt die Tasche der Lehrkraft nass zu machen und dies tut, weil er unbedingt mit Sven befreundet sein möchte, konnten unsere Schüler*innen erkennen, dass Mutproben nicht zu einer echten Freundschaft gehören. Hier zählen, so nannten es unsere Schüler*innen, vor allem Vertrauen, Ehrlichkeit, nett sein und die Fähigkeit zu trösten.

Im weiteren Verlauf des Theaterstücks und reger Teilnahme in allen drei Klassen merkten die Schüler*innen, dass Sven nur so ,,cool“ tut und andere ärgert, um die Aufmerksamkeit von der Klasse zu bekommen. Was anfangs noch gut funktionierte, gelang Sven dann immer weniger. Die Klassen unterstützten diejenigen, die von Sven geärgert wurden und holten sie aus der Situation. Wichtig, um Sven nicht die Bühne zu geben, die er braucht, um andere niederzumachen. Es wurde besprochen, dass es so, auch nicht für Sven, funktionieren kann neue Freunde zu bekommen, die er aber eigentlich haben möchte. So wurde gemeinsam überlegt, woher Sven es denn haben könnte, sich so zu verhalten. Die Rolle von Vorbildern, egal ob durch Bezugspersonen oder durch zunehmenden Konsum von Reels und TikToks, in denen Menschen gedemütigt und durch Pranks vorgeführt werden, spielt bei den Heranwachsenden eine große Rolle. Hier ist es leicht mitzulachen, obwohl es doch den Täter stärkt und der Einstieg von Mobbing kann leichter stattfinden. Die 6. Klassen besprachen außerdem den Unterschied von ,,ärgern“ zu ,,mobben“ und dem im Schulalltag stattfindenden Problem, dass aus ,,Spaß“ häufig Ernst wird. Durch die kindgerechte Aufarbeitung mit dem Thema Gewalt gehen die Klassen mit einem gestärkten Selbstbewusstsein und erhöhter Sensibilität für ihre Mitmenschen aus dem Projekt.

Grenzen wahren und Achtung haben war ebenso für unseren 9. Jahrgang beim Thema ,,Respect“ angesagt. Man klärte zuerst, was ,,Respekt“ überhaupt bedeutet. Einige Schüler*innen meldeten sich und gaben an, dass für sie die Grenze erreicht ist, wenn ,,du Hund“ fällt oder es gegen die Familie geht. Im täglichen Miteinander fallen bei den Jugendlichen ,,aus Spaß“ viele Beleidigungen, die die meisten jedoch so hinnehmen. Vorbilder aus dem Internet oder Ältere machen es vor: der freundliche Ton sinkt und alles kann mit ,,ich hab es doch nicht ernst gemeint“ entschuldigt werden. Dirk Bayer hielt am Smartboard fest, dass jeder Mensch Bedürfnisse hat, andere von außen jedoch immer nur ein Verhalten sehen können. Legt der Schüler den Kopf auf den Tisch, weil er am liebsten schlafen möchte, weil die Nacht davor keine Erholung brachte, so wird es von der Lehrkraft als respektloses Verhalten eingeschätzt- Konflikte sind so im täglichen Miteinander, auch unter Erwachsenen, vorprogrammiert. Kompromisse zu finden im Streit, in den Dialog zu gehen und über die Bedürfnisse zu sprechen ist wichtig, um im Miteinander zu bleiben.

Zum Schluss wurde Zivilcourage besprochen, indem Beispiele der 9. Klässler*innen gesammelt wurden, in denen sie schon einmal Respekt zeigten und etwas Gutes taten: einer älteren Dame über die Straße helfen, den Einkauf nach Hause tragen, ein Essen ausgeben, im Bus aufstehen für eine Mama mit Baby oder den Weg zu zeigen. Der Abschluss zeigte, dass auch in scheinbar kleinen Situationen die Hoffnung steckt, die in den negativen Nachrichten aus aller Welt scheinbar immer mehr unterzugehen droht: wir haben tolle Jugendliche, die verstehen, wie wichtig es ist aufeinander zu achten.

Die Löns-Realschule Einbeck dankt herzlich FIPS e.V. (Verein zur Förderung der Präventionsarbeit in Einbeck) sowie der AKB-Stiftung (Stiftung der Familie Carl-Ernst Büchting) für die jahrelange finanzielle Unterstützung bei der Umsetzung der an der Löns-Realschule Einbeck fest verankerten Theaterpräventionsprojekte.

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Mo, 28. September 2026

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