Klassen der Löns-Realschule Einbeck im Niedersächsischen Landtag

Anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht lud der Niedersächsische Landtag Schulen zu einer musikalisch-szenischen Lesung nach Hannover ein. Klassen der 9. und 10. Jahrgangsstufe der Löns-Realschule waren für die Veranstaltung ausgewählt worden. Zusammen mit ihren Lehrerinnen Regina Delacor, Lisa Jacksch und Carolin Zosel erlebten sie einen eindrucksvollen und berührenden Vormittag im Forum des Landtages. Die niedersächsische Landtagspräsidentin, Hanna Naber, begrüßte die Schülerinnen und Schüler und betonte in ihrer Rede die Bedeutung von Menschlichkeit und Solidarität als Zeichen der Demokratie. Das Publikum werde nun selbst zu Zeitzeugen werden. „Eine wundersame Rettung“ erzählt vom Schicksal der kleinen Tamar während des Holocaust. Als sie drei Jahre alt war, besetzte die Wehrmacht im Juni 1941 ihre Heimatstadt Wilna (heute Vilnius) in Litauen. Wenige Monate später errichteten die Deutschen einen abgeriegelten und bewachten Ghettobezirk, in dem die jüdische Bevölkerung in großer Enge und unter schwierigsten Bedingungen leben musste. Zuvor brachten die Eltern Tamar zu ihrer christlichen Tante, die das Kind bei sich zu Hause unter falschem Namen versteckte. Doch ihre Identität flog auf und Tamar musste zu ihren Eltern ins Ghetto. Nach der Deportation des Vaters nach Estland folgten Mutter und Tochter. Nach mehreren vergeblichen Versuchen gelang es Jetta Schapiro-Rosenzweig, mit ihrem Kind aus einem Durchgangslager zu fliehen und sich mit falscher Identität auf verschiedensten Gutshöfen in den Wirren des Krieges zu verstecken, stets in der Angst, entdeckt zu werden. Ihr unerschütterlicher Lebenswille war von dem einzigen Ziel geprägt, ihre kleine Tochter Tamar zu retten. Nach der Befreiung durch die Rote Armee kehrten Mutter und Tochter in das zerstörte Wilna zurück. Nur wenige Familienangehörige hatten überlebt. Der Vater war im Konzentrationslager Stutthoff ermordet worden. Jetta Schapiro

zog mit ihrer Tochter Tamar nach Israel. Nach Deutschland kehrte Tamar Dreyfuss immer wieder zurück, um von ihrem Schicksal zu berichten. Bis zu ihrem Tod im Oktober 2025 setzte sie sich gegen das Vergessen ein, denn solange die Demokratie bestehe, sei auch Hoffnung da. „Die Jugend kann nichts dafür. Ihr muss nur bewusst sein, was passiert ist. Und sie muss dafür kämpfen, dass es nicht nochmal passiert“, so Tamar Dreyfuss. Dargestellt wurde die Überlebensgeschichte von Roswitha Dasch und Anni Salander, musikalisch begleitet vom Trio Finkelstein. 

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Veröffentlichung

Fr, 21. November 2025

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